Emmen Ü55 will mitreden und mitgestalten

Die Kontaktstelle Alter Emmen (KAE) hat im Auftrag der Gemeinde Emmen 2025 die Bedürfnisse der Bevölkerung Ü55 genauer untersucht. Im Gespräch erklärt Nadja Hecht, Leitung KAE, welche Erkenntnisse die Umfrage gebracht hat und was das für die Angebote im Altersbereich bedeutet.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus der Bedürfnisumfrage?
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Emmen will mitreden und mitgestalten – das ist eine wichtige Voraussetzung für die zukünftige Gestaltung des Altersbereichs. Die Lebensqualität wird insgesamt als hoch eingeschätzt, gleichzeitig beurteilen viele ihre körperliche Verfassung nur als mittelmässig, und rund die Hälfte der Ü55 ist mindestens einmal pro Monat beim Hausarzt. Eine wichtige Erkenntnis ist zudem, dass der analoge Zugang weiterhin einen hohen Stellenwert hat; deutlich höher, als oft vermutet. Die Rückmeldungen zeigen, dass sich die Bevölkerungsgruppe niederschwellige Angebote wünscht, die einfach zugänglich sind, auf Augenhöhe stattfinden und echten, qualitativ guten persönlichen Kontakt ermöglichen.

Welche Themenbereiche sind für die KAE 2026 besonders wichtig?
Es steht ein Projektantrag beim Kanton Luzern an, der auf den Ergebnissen der Bedürfnisumfrage basiert. Damit wollen wir Themen anstossen, die direkt aus der Umfrage hervorgegangen sind. Ein Teil fokussiert die Stärkung der Gesundheits-kompetenz in Bezug auf Mobilität und Einsamkeit. Soziale Kontakte sollen niederschwellig über einfache, bewegungsfördernde Veranstaltungen gestärkt und auch Inklusion von Menschen mit Migrationshintergrund berücksichtigt werden. Auch wollen wir 2026 Netzwerke rund ums Sehen und Hören sichtbarer machen, Menschen sensibilisieren und auf geeignete Angebote aufmerksam machen.

Was braucht es, damit die Vorstösse gelingen?
Die Umfrage hat gezeigt: Emmen will und Emmen kann. Zwei Themen stechen heraus:

Erstens: Mobilität als Fundament für Autonomie und soziale Teilhabe. Die Erhaltung der körperlichen Beweglichkeit wird als wichtigste gesundheitliche Herausforderung gesehen, um Selbständigkeit im Alter zu gewährleisten. Mobilität ist ebenfalls Voraussetzung, um das Haus zu verlassen und Kontakte zu pflegen. Einfache bewegungsfördernde Angebote im öffentlichen Raum, etwa Yoga, Tanzen, Pétanque oder attraktive Fusswege, können hier zu wichtigen sozialen «Eisbrechern» werden, aber auch die Selbstwirksamkeit im Alltag stärken.

Zweitens: der Abbau von Informationsbarrieren dank adressatengerechter Kommunikation. Über die Hälfte der Personen Ü55 (51,13 %) fühlt sich über bestehende Gesundheits- und Unterstützungsangebote unzureichend informiert, was auch die hausärztliche Versorgung belastet. Statt neue Angebote zu schaffen, müssen deshalb vorhandene Angebote sichtbarer gemacht werden – und zwar auch auf analogem Weg.

Der Sehsinn ist 2026 ein besonderes Anliegen der KAE. Weshalb?
Chronische Beschwerden oder Mehrfacherkrankungen betreffen häufig Lebensbereiche, die eng mit unseren Sinnen verbunden sind – etwa Hören, Sehen oder Schlafen. Indem wir Angebote und Dienstleistungen aus Sicht unserer Partnerinnen und Partner möglichst einfach und verständlich aufzeigen, erleichtern wir den Zugang zu Unterstützung. Gleichzeitig wollen wir damit die Gesundheitskompetenz stärken, also das Wissen und die Fähigkeit, die eigene Gesundheit aktiv und informiert mitzugestalten.

Wird es 2026 weitere Veranstaltungen der KAE geben?
In Arbeit sind auch zwei Anlässe rund um den Hörsinn, mit denen wir gezielt aufklären, sensibilisieren und konkrete Unterstützung aufzeigen.

2025 hat die KAE zwei Veranstaltungen zum Thema Digitalisierung im Alter durchgeführt. Was haben Sie aus diesen Anlässen mitgenommen – und geht es damit weiter?
Die Rückmeldungen waren sehr positiv: Das Thema war richtig, die Resonanz gut. Die Verunsicherung im Umgang mit der digitalen Welt ist spürbar gross bei der Zielgruppe Ü55. Die grosse Frage bleibt: Wie können wir die breite Bevölkerung in Emmen nachhaltig bei der praktischen Anwendung digitaler Angebote unterstützen? Ein wichtiger Aspekt dabei ist das oft stabile Familiennetz sowie der Kontakt zu jüngeren Personen. Wir behalten das Thema auf dem Radar und planen weitere Veranstaltungen im Bereich digitale Sicherheit.

Auf welche Neuerungen dürfen sich die Emmerinnen und Emmer 2026 sonst noch freuen?
Wir entwickeln aus den Ergebnissen der Umfrage Schritt für Schritt konkrete Angebote. Nicht alles ist heute schon spruchreif, aber die Bevölkerung Ü55 hat sich deutlich geäussert, und die KAE nimmt diese Stimmen ernst. Emmen soll ein Ort sein, an dem ältere Menschen gut leben und ihre Zukunft aktiv mitgestalten können – daran arbeiten wir 2026 weiter.

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