Gut hören – besser leben: Ein Nachmittag voller Impulse und Begegnungen
Am 7. Juli 2026 lud die Kontaktstelle Alter Emmen (KAE) zur Veranstaltung «Gut hören – besser leben» ein. Die Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, sich über die Bedeutung des Hörens, Präventionsmöglichkeiten sowie Unterstützungsangebote für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen zu informieren. Das vielfältige Programm zeigte: Gutes Hören ist weit mehr als die Wahrnehmung von Geräuschen – es ist ein entscheidender Schlüssel zu sozialer Teilhabe, Gesundheit und Lebensqualität.
Hören beginnt mit Prävention
Die KAE richtet sich traditionell an Menschen ab 60 Jahren, zunehmend aber auch an Personen ab 55 Jahren. Gerade beim Thema Hörgesundheit wurde deutlich, dass Prävention deutlich früher ansetzen muss. Deshalb war die Suva als wichtige Partnerin vor Ort.
In ihrem Referat machte die Suva deutlich, wie verbreitet lärmbedingte Hörschäden sind: Sie verursachen rund die Hälfte aller anerkannten Berufskrankheiten in der Schweiz. Über 200'000 Berufstätige sind gehörgefährdendem Lärm ausgesetzt. Besonders eindrücklich ist die Erkenntnis, dass eine lärmbedingte Schwerhörigkeit irreversibel ist.
Die Fachperson zeigte auf, wie bereits dauerhafte Lärmbelastungen ab 85 Dezibel das empfindliche Innenohr schädigen können und erläuterte das bewährte STOP-Prinzip zur Prävention (chronische Lärmexpositionen ab einem Pegel von 85 Dezibel schädigen die Haarzellen im Ohr und stören die Signalübermittlung an das Gehirn). Von leiseren Maschinen über technische und organisatorische Massnahmen bis hin zu persönlichem Gehörschutz gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Gehör wirksam zu schützen. Die Suva unterstützt Unternehmen dabei mit Beratungen, Lärmmessungen und regelmässigen Gehörkontrollen.
Hören findet im Gehirn statt
Wie eng Hören und Denken miteinander verbunden sind, zeigte der Beitrag der Amplifon AG. Gutes Hören bildet eine wichtige Grundlage für Gesundheit, soziale Integration und Lebensqualität. Dabei entsteht das eigentliche Hören nicht im Ohr, sondern im Gehirn, wo Schall verarbeitet und mit Bedeutung versehen wird.
Besonders eindrücklich war die Erklärung, weshalb eine frühzeitige Erkennung von Hörverlusten so wichtig ist. Werden bestimmte Hirnareale über längere Zeit nicht mehr ausreichend stimuliert, können sie an Leistungsfähigkeit verlieren. Hörverlust bedeutet zudem oft nicht einfach, leiser zu hören – vielmehr leiden viele Betroffene unter einem eingeschränkten Sprachverständnis.
Die Teilnehmenden erfuhren auch, wie weit sich moderne Hörsysteme entwickelt haben. Aus einst einfachen Hörhilfen sind hochkomplexe Mini-Computer geworden, die heute teilweise künstliche Intelligenz einsetzen, um Sprache von Störgeräuschen zu unterscheiden. Moderne Hörgeräte können ein gesundes Ohr zwar nicht ersetzen, leisten aber einen wichtigen Beitrag zur kognitiven Fitness und Lebensqualität. Amplifon AG bietet kostenlose Hörtests an.
Mit den Händen sprechen
Für Auflockerung sorgte der Crashkurs Gebärdensprache mit Stefan Freiberger. Mit viel Humor und Engagement führte er die Teilnehmenden in die Welt der visuellen Kommunikation ein.
Der Kurs animierte zum Mitmachen, Ausprobieren und Lachen. Gleichzeitig vermittelte er einen wertvollen Perspektivenwechsel und zeigte auf, welche Möglichkeiten der Kommunikation Menschen mit Hörbeeinträchtigungen im Alltag nutzen.
V.l.: Nadja Hecht (KAE), Katrin Bucher (SUVA), Sonja Betschart (Amplifon AG), Jeannette Belger (Pro Audito Luzern), Maurice Kuchen (SZBLIND Schweizerischer Zentralverein für das Blindenwesen Luzern), Carlo Picenoni (Beratung für Schwerhörige und Gehörlose (BFSUG Zentralschweiz)), Stefan Freiberger (Crashkurs Gebärdensprache)
Vorne: Mirjam Toews (MusikSpitex), Nejc Grm (Musiker MusikSpitex, Akkordeon)
Nicht warten, sondern handeln
Pro Audito Luzern machte deutlich, wie wichtig es ist, erste Anzeichen eines Hörverlusts ernst zu nehmen. In der Schweiz leben über eine Million Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung. Hören bedeutet dabei nicht automatisch Verstehen.
Die Fachorganisation zeigte auf, dass Sprachverstehen immer ein Zusammenspiel von Hören, Sehen und Kombinieren ist. Bleibt ein Hörverlust unbehandelt, können soziale Isolation, Einsamkeit, Depressionen und sogar ein erhöhtes Demenzrisiko die Folge sein.
Pro Audito unterstützt Betroffene mit unabhängiger Beratung, Hörtrainings, Freizeitangeboten und Austauschgruppen. Gleichzeitig engagiert sich die Organisation bei der Beratung und Kontrolle moderner Höranlagen und technischer Hilfsmittel.
Wenn Hören und Sehen gleichzeitig beeinträchtigt sind
Die Fachstelle Hörsehbehinderung und Taubblindheit SZBLIND Luzern sensibilisierte für eine Herausforderung, die oft wenig sichtbar ist: die kombinierte Einschränkung von Hören und Sehen.
Mit der Formel «1 + 1 = 3» wurde verdeutlicht, dass die Auswirkungen einer doppelten Sinnesbeeinträchtigung weit über die Summe der einzelnen Einschränkungen hinausgehen. Die Fachstelle unterstützt Betroffene mit Sozialberatung, Rehabilitation, Assistenzlösungen und technischen Hilfsmitteln. Ziel ist es, Selbstständigkeit, Teilhabe und Lebensqualität bestmöglich zu erhalten.
Brücken zwischen zwei Welten
Die Beratung für Schwerhörige und Gehörlose Zentralschweiz (BFSUG) stellte ihre vielfältigen Unterstützungsangebote vor. Sie versteht sich als Brückenbauerin zwischen der Welt der Hörenden und jener der Menschen mit Hörbeeinträchtigungen.
Das Angebot reicht von Sozialberatung und Unterstützung bei Anträgen bis hin zur Begleitung im Alltag und bei der Stellensuche. Die Beratungen erfolgen kostenlos, vertraulich und niederschwellig. Besonders hervorgehoben wurde die hörbehindertengerechte Kommunikation und das breite Fachnetzwerk der Organisation.
Ein emotionaler Höhepunkt: Die MusikSpitex
Ein ganz besonderes Erlebnis bot die MusikSpitex – für viele Teilnehmende zweifellos einer der Höhepunkte des Nachmittags.
Das gemeinnützige Projekt bringt professionelle Musikerinnen und Musiker zu Menschen in Pflege- und Betreuungssituationen nach Hause oder in Institutionen. Dort entstehen ganz persönliche Konzerte, abgestimmt auf die individuellen Musikwünsche der Menschen.
Die Wirkung dieser musikalischen Begegnungen geht weit über Unterhaltung hinaus: Musik schafft Nähe, weckt Erinnerungen, stärkt das Wohlbefinden und fördert soziale Teilhabe. Besonders Menschen mit Demenz oder in palliativen Situationen profitieren von diesen berührenden Momenten.
Gerade im Kontext der Veranstaltung wurde deutlich, welch zentrale Rolle unsere Sinne für Lebensqualität und Verbundenheit spielen. Musik verbindet Hören, Sehen, Fühlen und Erinnern auf einzigartige Weise – und begleitet Menschen seit jeher durch alle Lebensphasen.
Ein starkes Zeichen für Lebensqualität im Alter
Die Veranstaltung «Gut hören – besser leben» zeigte, wie vielfältig die Themen rund um das Hören sind. Von Prävention über moderne Hörtechnologien bis hin zu Beratung, sozialer Unterstützung und kultureller Teilhabe wurde deutlich: Hörgesundheit betrifft nicht nur die Ohren, sondern den ganzen Menschen.
Die KAE schuf mit diesem Anlass einen wertvollen Raum für Information, Austausch und Sensibilisierung. Die zahlreichen Fachreferate, praktischen Einblicke und persönlichen Begegnungen machen deutlich, wie wichtig es ist, der eigenen Hörgesundheit Sorge zu tragen – möglichst früh und ein Leben lang.
Denn gut hören bedeutet letztlich auch: besser verstehen, besser verbunden sein und besser leben.
Wer den Anlass verpasst hat, hat am 03. November 2026 nochmals eine Gelegenheit. Weitere Informationen finden Sie hier: Gut hören - besser leben — Kontaktstelle Alter Emmen.